
IHK-Umfrage: Nahost-Konflikt belastet Firmen in NRW
Die Eskalation im Nahen Osten setzt Unternehmen auch im Märkischen Kreis zunehmend unter Druck. Eine aktuelle IHK-Umfrage zeigt: Über 60 Prozent der befragten Betriebe in NRW sind negativ betroffen.
Veröffentlicht: Mittwoch, 01.04.2026 16:39
Nahost-Konflikt trifft Unternehmen im Märkischen Kreis
Die Folgen des Iran-Kriegs sind längst auch in der heimischen Wirtschaft angekommen. Eine aktuelle NRW-weite Umfrage der Industrie- und Handelskammer NRW unter 768 Betrieben zeigt: Fast 500 Unternehmen und damit über 60 Prozent geben an, negativ vom Konflikt in der Region betroffen zu sein. Ein knappes Drittel kann die Folgen noch nicht absehen. Auch im Märkischen Kreis, wo die Wirtschaft ohnehin seit Jahren unter Druck steht, verschärft der Konflikt die Lage zusätzlich. Die drei größten Herausforderungen sind laut Umfrage steigende Transport- und Logistikkosten, steigende Energiekosten sowie Verzögerungen in den Lieferketten.
„Die Umfrage zeigt, wie hoch der wirtschaftliche Druck für viele Betriebe inzwischen ist. Unsicherheit, Kostensteigerungen und instabile Lieferketten treffen die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen in einer ohnehin angespannten Lage." - Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer der IHK NRW
Transport- und Energiekosten im MK massiv gestiegen
Besonders hart trifft es Unternehmen mit Geschäft vor Ort im Nahen Osten: Bei neun von zehn dieser Betriebe sind die Transport- und Logistikkosten gestiegen. Über alle Unternehmen hinweg sind es 82 Prozent. Betroffen sind alle Transportwege - zu See, in der Luft und auf der Straße. Die größte Herausforderung ist dabei die Seefracht, da Schiffe überbucht sind oder ihren Bestimmungsort nicht anfahren können. Hintergrund ist unter anderem die Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Engstellen des weltweiten Öltransports. Steigende Energiepreise sind mittlerweile bei 71 Prozent der Unternehmen ein Problem. Hinzu kommen bei 40 Prozent aller Befragten Verzögerungen und Unterbrechungen in den Lieferketten - verursacht durch längere Routen, eingeschränkte Hafenzugänge sowie Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten.
Betriebe geben Kosten an Kunden weiter
Die gestiegenen Belastungen schlagen sich zunehmend im betrieblichen Alltag nieder. Mehr als jedes zweite Unternehmen plant, die höheren Kosten an die Kunden weiterzugeben oder die Preise zu erhöhen. Neben Preisanpassungen überprüft jedes fünfte Unternehmen seine Lieferketten, sucht alternative Lieferanten oder baut die Lagerhaltung aus. Zugleich zeigt die Umfrage, dass über ein Drittel der Betriebe derzeit keine besonderen Maßnahmen plant.
„Die Belastungen schlagen inzwischen sehr konkret im betrieblichen Alltag auf. Das zeigt, dass höhere Logistik- und Energiepreise längst nicht mehr nur ein Risiko sind, sondern in vielen Betrieben unmittelbar wirksam werden." - Ralf Schlindwein, Fachpolitischer Sprecher für Außenwirtschaft der IHK NRW
Unsicherheit bleibt hoch - auch im Märkischen Kreis
Die IHK NRW befürchtet eine weitere Verschärfung der Belastungen, sollten die Einschränkungen auf wichtigen Handelsrouten wie der Straße von Hormus noch länger anhalten. Die Öl- und Gaslieferungen vom Golf werden nach Einschätzung von Experten noch für Monate massiv gestört sein. Der Standort Deutschland ist bereits durch strukturelle Schwächen und hohe Energiekosten belastet. Die zusätzlichen Preiserhöhungen und Versorgungsrisiken treffen die Unternehmen deshalb umso härter. Im Märkischen Kreis hatte die schwache Konjunktur zuletzt bereits den Arbeitsmarkt ausgebremst – die Folgen des Nahost-Konflikts könnten diese Entwicklung weiter verschärfen. 70 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen sind kleine und mittlere Betriebe mit bis zu 249 Beschäftigten. Die Umfrage wurde vom 23. bis 29. März 2026 durchgeführt.