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Wenn Kinder Schule schwänzen: Hilfe statt nur Strafen
© Märkischer Kreis/A.Hübenthal
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Wenn Kinder Schule schwänzen: Hilfe statt nur Strafen

Unentschuldigtes Fehlen in der Schule beschäftigt den Kinderschutz im Märkischen Kreis immer stärker. Bei einem Fachtag in Lüdenscheid haben Fachkräfte kürzlich über Schulabsentismus, Ursachen und bessere Hilfe für betroffene Kinder gesprochen.

Veröffentlicht: Mittwoch, 15.04.2026 06:31

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Schulabsentismus im Märkischen Kreis im Fokus

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Unentschuldigtes Fehlen im Unterricht wird im Märkischen Kreis zunehmend als Thema für den Kinderschutz gesehen. Bei einem Fachtag in Lüdenscheid haben sich dazu rund 100 Schulleitungen, Lehrkräfte, Schulsozialarbeitende und weitere pädagogische Fachkräfte ausgetauscht. Die Veranstaltung trug den Titel „Abwesend? Hinsehen! - Kinderschutz bei Schulabsentismus im Fokus“. Statt nur auf klassisches Schwänzen zu schauen, ging es dabei auch um die Frage, welche Belastungen hinter dem Fernbleiben vom Unterricht stecken können. Nach Angaben des Kreisjugendamts geht es dabei oft um mehr als Regelverstöße.

Veranstaltet wurde der Fachtag von der Steuerungsgruppe „Kinderschutz in Schule“. Daran beteiligt sind das Jugendamt des Märkischen Kreises, die Jugendämter aus Altena, Lüdenscheid, Plettenberg und Werdohl, das Märkische Kinderschutz-Zentrum sowie das Regionale Bildungsbüro Märkischer Kreis. Tagungsort war die Aula der Berufskollegs am Raithelplatz in Lüdenscheid. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Schulen, Jugendämter, Schulpsychologie und weitere Stellen enger zusammenarbeiten können. Ziel ist, betroffene Kinder und Jugendliche früher zu erkennen und gezielter zu unterstützen.

„Schulabsentismus fordert uns alle heraus - und diese Herausforderung können wir nur gemeinsam meistern.“ - Matthias Sauerland, Kreisjugendamt, und Tanja Tschöke, Schulamt für den Märkischen Kreis
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Ursachen für Schulfehlen oft komplex

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Nach Angaben der Veranstalter steckt hinter Schulabsentismus häufig ein ganzes Bündel von Ursachen. Genannt wurden unter anderem Schulangst, Trennungsängste, familiäre Probleme oder fremdgesteuertes Fehlen. Auch klassisches Schwänzen ist eine Form davon, aber eben nicht die einzige. Deshalb wurde bei dem Fachtag betont, dass jeder Fall einzeln betrachtet werden muss. Einfache Lösungen gebe es dafür nicht.

Cornelia Heinz, Fachbeauftragte für Schulpsychologie bei der Bezirksregierung Arnsberg, stellte in einem Impulsvortrag vier zentrale Erscheinungsformen von Schulabsentismus vor. Sie erläuterte außerdem Ursachen, Wirkmechanismen und Möglichkeiten zum Eingreifen. Eine wichtige Botschaft des Tages war, dass klare Abläufe innerhalb der Schule und feste Ansprechpartner helfen können, schneller zu reagieren. Ebenso wichtig sei die Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Schulpsychologie. So sollen Kinder und Jugendliche die Unterstützung bekommen, die zu ihrer jeweiligen Situation passt.

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Austausch in Lüdenscheid soll Hilfe verbessern

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Im Anschluss an die Vorträge ging es bei dem Fachtag in drei Regionalkonferenzen weiter. Dort tauschten sich die Teilnehmenden zu konkreten Problemen und Erfahrungen aus ihren Kommunen aus. Die Konferenzen orientierten sich an den Zuständigkeiten der beteiligten Jugendämter. Unterstützt wurden die Gruppen von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Dabei ging es auch um die Schnittstellen zwischen Kinderschutz und regelmäßigem Schulfehlen.

Nach Angaben des Märkischen Kreises fiel das Fazit der Tagung positiv aus. Neben Fachwissen habe der Tag vor allem Raum für Vernetzung und praktische Fragen aus dem Alltag geboten. Genau das soll helfen, im Ernstfall schneller und abgestimmter zu handeln. Die Beteiligten wollen damit erreichen, dass Kinder und Jugendliche nicht durch das System rutschen. Stattdessen soll genauer hingeschaut werden, wenn Schülerinnen und Schüler dauerhaft fehlen.

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Neuer Leitfaden für Schulen aus Arnsberg

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Unterstützung bekommen Schulen dabei auch von der Bezirksregierung Arnsberg. Sie hat den Leitfaden „Handlungskompetenz Schulabsentismus“ veröffentlicht. Darin finden Schulen konkrete Hinweise und Empfehlungen für den Umgang mit unentschuldigtem Fehlen. Der Leitfaden soll dabei helfen, Fälle frühzeitig einzuordnen und passende Schritte einzuleiten. Nach Angaben der Veranstalter war auch das ein wichtiger Baustein des Fachtags in Lüdenscheid.

Der Fachtag macht deutlich, dass Schulabsentismus im Märkischen Kreis weiter ein wichtiges Thema bleiben wird. Schulen, Jugendämter und psychologische Fachstellen setzen deshalb auf mehr Abstimmung und klare Handlungswege. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Schulpflicht, sondern vor allem die Frage, was Kinder und Jugendliche brauchen. Denn hinter dem Fehlen im Unterricht können Belastungen stehen, die ohne Hilfe schwer zu lösen sind.

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