
Mehr gebrauchte Elektroautos auf dem Markt
Beim neuen Förderprogramm des Bundes für Elektroautos sind bereits mehr als 50 Millionen Euro an Neuwagenkäufer geflossen. Gleichzeitig landen auch immer mehr E-Autos als Gebrauchtwagen auf dem Markt. Das erweitert die Auswahl für Käuferinnen und Käufer und macht den Einstieg in die Elektromobilität oft günstiger. Nach Angaben des TÜV in Iserlohn bringt der Kauf eines gebrauchten Elektroautos aber auch besondere Fragen mit sich. Einige wichtige Punkte seien nicht sofort zu erkennen und sollten deshalb vor dem Kauf genau geprüft werden.
Batteriezustand ist der wichtigste Punkt
Besonders wichtig ist laut TÜV der Zustand der Batterie. Sie ist das teuerste Bauteil eines Elektroautos und entscheidend für Reichweite und Alltagstauglichkeit. Käuferinnen und Käufer sollten sich deshalb unbedingt einen aktuellen SoH-Nachweis zeigen lassen. SoH steht für „State of Health“ und beschreibt, wie viel von der ursprünglichen Batteriekapazität noch vorhanden ist. Fehlt dieser Nachweis, rät der TÜV zu einer unabhängigen Prüfung, um spätere Kosten besser einschätzen zu können.
„Viele schauen auf Preis, Alter und Laufleistung. Beim E-Auto lohnt es sich aber, genauer hinzusehen.“ - Pascal Bienia, Leiter der TÜV NORD Station Iserlohn.
Reichweite, Laden und Garantie prüfen
Neben dem Akku spielen auch die Reichweite im Alltag und das Ladeverhalten eine wichtige Rolle. Der TÜV empfiehlt, sich Verbrauchs- und Reichweitenwerte direkt im Fahrzeug zeigen zu lassen und diese möglichst bei einer Probefahrt zu prüfen. Auch ein kurzer Ladevorgang kann hilfreich sein, um zu sehen, wie schnell und zuverlässig das Fahrzeug lädt. Wiederkehrende Ladeabbrüche oder starke Schwankungen bei der Ladeleistung sollten erklärt werden können. Wichtig ist außerdem ein Blick auf die Batteriegarantie, also auf Laufzeit, Kilometerstand und die genauen Bedingungen des Herstellers.
„Anders als eine Garantie beschreibt der SoH-Wert den tatsächlichen Zustand des Akkus zum Zeitpunkt der Prüfung. Ein aktueller Nachweis schafft deshalb Transparenz und erleichtert den Vergleich verschiedener Fahrzeuge“ - Pascal Bienia, Leiter der TÜV NORD Station Iserlohn.
Serviceheft und Reparaturen genau prüfen
Auch Serviceunterlagen, Software-Updates und dokumentierte Reparaturen sind nach Angaben des TÜV entscheidend. Wer ein gebrauchtes E-Auto kaufen will, sollte sich deshalb Servicehefte, Rechnungen und Garantieunterlagen vollständig zeigen lassen. Fehlen diese Papiere, lässt sich der Zustand des Fahrzeugs oft nur schwer realistisch einschätzen. Dann empfiehlt der TÜV einen unabhängigen Fahrzeugcheck. Das gilt auch für mögliche Unfallschäden oder größere Reparaturen, die möglichst schriftlich belegt sein sollten.
„Beim gebrauchten E-Auto entscheiden oft Faktoren über den Fahrzeugwert, die sich nicht auf den ersten Blick erkennen lassen“ - Pascal Bienia, Leiter der TÜV NORD Station Iserlohn.
TÜV rät zu gründlicher Prüfung vor dem Kauf
Aus Sicht des TÜV in Iserlohn lassen sich teure Überraschungen vor allem dann vermeiden, wenn Käuferinnen und Käufer vor dem Abschluss alle wichtigen Unterlagen prüfen. Dazu gehören der Batteriezustand, Nachweise zu Wartung und Reparaturen, Angaben zur Garantie und ein realistischer Eindruck von Reichweite und Ladeverhalten. Wer offene Fragen vor dem Kauf klärt, kann verschiedene Angebote besser vergleichen. Gerade bei gebrauchten Elektroautos sei ein genauer Blick besonders wichtig.