
Nur wenige Wohnungen im Märkischen Kreis geeignet
Längst nicht alle Wohnungen im Märkischen Kreis sind fit fürs Alter. Nach Angaben des Pestel-Instituts sind von den knapp 210.400 Wohnungen im Kreis nur rund 9.500 so gebaut, dass ältere Menschen dort auch mit Rollator oder Rollstuhl gut leben können. Das entspricht etwa fünf Prozent des gesamten Wohnungsbestands. Im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel hat das Institut die „Alterstauglichkeit“ der Wohnungen in der Region untersucht. Der Hintergrund: In den kommenden zehn Jahren gehen im Märkischen Kreis rund 69.500 Menschen aus der Baby-Boomer-Generation in Rente.
„Damit bieten nur rund 5 Prozent aller Wohnungen im Märkischen Kreis den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden“ - Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts.
Probleme bei Bad, Küche und Eingang im MK
Die Studie zeigt mehrere Schwachstellen in vielen Wohnungen im Märkischen Kreis. Schon am Eingang gibt es demnach oft Hürden: Rund 28 Prozent aller Hausflure seien nicht breit genug, damit Menschen mit dem Rollstuhl gut hindurchkommen. Das betrifft laut Untersuchung etwa 52.300 Wohnungen. Auch in den Wohnungen selbst fehlt es oft an Platz. So sind laut Pestel-Institut rund 65.900 Küchen zu klein, um sich mit einem Rollstuhl darin gut zu bewegen.
Besonders häufig gibt es Probleme im Bad. Nach Angaben der Untersuchung sind 97.600 Bäder im Märkischen Kreis und damit 46 Prozent zu klein. Als wichtigstes Kriterium für das Wohnen im Alter nennt das Institut eine bodengleiche Dusche. Genau daran hapert es aber oft: Nur rund 47.300 Wohnungen im Märkischen Kreis verfügen demnach über eine gut begehbare Dusche.
„Die gibt es aktuell nur in rund 47.300 Wohnungen im Märkischen Kreis“ - Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts.
Forderung nach Zuschüssen für den Umbau
Aus Sicht des Pestel-Instituts und des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel reicht Neubau allein nicht aus. Stattdessen müsse vor allem der bestehende Wohnraum seniorengerecht umgebaut werden. Gemeint sind Wohnungen, in denen viele Baby-Boomer schon heute leben. Dabei geht es vor allem um weniger Schwellen, breitere Türen und mehr Bewegungsfreiheit in Bad und Küche. Nach Einschätzung der Studienautoren ist eine altersgerechte Sanierung auf Dauer oft günstiger als ein späterer Umzug in ein Pflegeheim.
Der Verband fordert deshalb eine umfassende „Senioren-Umbau-Offensive“. Im Mittelpunkt stehen Zuschüsse vom Bund, die den barrierearmen Umbau einfacher machen sollen. Kritisiert wird, dass die bisherige Förderung zu kompliziert und aus Sicht der Verbände zu niedrig sei. Vor allem Menschen kurz vor der Rente würden größere Umbauten häufig aufschieben, wenn sie dafür noch Kredite aufnehmen müssten.
„In den nächsten zehn Jahren gehen die Baby-Boomer komplett in Rente. Der Bedarf an Senioren-Wohnungen, den der Märkische Kreis in den kommenden Jahrzehnten damit haben wird, ist also enorm“ - Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel.
Altbauten im Märkischen Kreis besonders im Fokus
Vor allem ältere Gebäude stehen beim Umbau im Fokus. Nach Angaben des Pestel-Instituts gibt es gerade in Altbauten häufig bauliche Probleme. Das betrifft zum Beispiel Häuser aus den 1950er-Jahren, in denen sich bodengleiche Duschen nicht immer ohne größeren Aufwand einbauen lassen. Trotzdem sehen die Experten hier den größten Hebel, um den Wohnungsbestand im Märkischen Kreis fit fürs Alter zu machen. Der Nachholbedarf sei insgesamt enorm.
„Der altersgerechte Umbau sei jahrzehntelang zu kurz gekommen“ - Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel.