
Pflege im Märkischen Kreis: Was die Zahlen verraten
Im Märkischen Kreis beziehen immer mehr Menschen staatliche Hilfe zur Pflege – und die Zahl der Pflegebedürftigen soll laut Modellrechnung bis 2050 weiter wachsen. Gleichzeitig ringt die schwarz-rote Koalition in Berlin um eine Reform der Pflegeversicherung.
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Immer mehr Menschen im Märkischen Kreis brauchen staatliche Pflegehilfe
Im Jahr 2025 haben rund 2.880 Menschen im Märkischen Kreis Hilfe zur Pflege bezogen – 170 mehr als im Vorjahr und 23 Prozent mehr als noch im Jahr 2022. Die Hilfe zur Pflege ist eine Form der Sozialhilfe: Sie greift, wenn die Pflegeversicherung die Kosten nicht vollständig abdeckt und die Betroffenen sie nicht aus eigenen Mitteln tragen können. Rund 2.525 der Betroffenen im Märkischen Kreis lebten in stationären Einrichtungen wie Pflegeheimen. Auch in NRW insgesamt stieg die Zahl auf rund 109.000 Personen – laut dem statistischen Landesamt IT.NRW der dritte Anstieg in Folge.
Prognose bis 2050 im Märkischen Kreis: Mehr als 36.000 Pflegebedürftige erwartet
Wie sich die Pflegebedürftigkeit langfristig entwickeln wird, zeigt die aktuelle Pflegemodellrechnung des NRW-Statistikamtes. Im Jahr 2023 waren rund 32.700 Menschen im Märkischen Kreis pflegebedürftig. Bis 2050 soll diese Zahl auf rund 36.300 steigen – ein Anstieg von elf Prozent. Laut den Modellrechnungen könnten damit mehr als jeder Zehnte im Märkischen Kreis pflegebedürftig sein. Der Anstieg bei uns liegt damit zwar deutlich unter dem NRW-Durchschnitt von rund 21 Prozent – das liegt aber an der demografischen Entwicklung, denn die Bevölkerung schrumpft bei uns stärker als in anderen Regionen. Besonders stark soll dennoch die stationäre Pflege wachsen: von 4.300 auf rund 5.300 Betroffene, ein Plus von 23 Prozent. Die Modellrechnung basiert auf demografischen Vorausberechnungen und ist laut IT.NRW als Orientierungswert zu verstehen, nicht als sichere Prognose.
Pflegereform in Berlin - Koalition sucht Kompromiss
Während die Zahlen im Märkischen Kreis steigen, ringt die schwarz-rote Koalition in Berlin um eine Reform der Pflegeversicherung. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will die Finanzlücke vor allem durch Einsparungen schließen – unter anderem durch höhere Hürden für die Anerkennung von Pflegegraden. Die SPD lehnt ein reines Kürzungspaket ab und fordert einen Pflegekostendeckel: Der Eigenanteil für die reine Pflege im Heim soll auf maximal 1.500 Euro im Monat begrenzt werden. Aktuell liegt dieser Eigenanteil im Bundesdurchschnitt bei rund 3.364 Euro. Die Pflegereform sollte noch heute ins Bundeskabinett eingebracht werden – scheitert die Einigung, könnte sie jedoch von der Tagesordnung fallen.
Was die Reform für Menschen im Märkischen Kreis bedeuten könnte
Die Pflegereform betrifft die Pflegeversicherung – hat aber direkte Auswirkungen auf die Hilfe zur Pflege. Wer die Kosten eines Pflegeheimplatzes nicht selbst tragen kann, ist auf Sozialhilfe angewiesen. IT.NRW hält ausdrücklich fest: Änderungen beim Leistungsumfang der Pflegeversicherung haben Auswirkungen auf die Hilfe zur Pflege. Der Sozialverband VdK empfiehlt Betroffenen daher, einen Pflegegrad noch in diesem Jahr zu beantragen – solange noch das alte Recht gilt. Der Deutsche Pflegerat mahnt unterdessen, dass höhere Hürden beim Zugang zu Pflegegraden das eigentliche Problem nicht lösen.