
Nahost-Krise belastet Handwerk in Südwestfalen
Die Nahost-Krise belastet viele Handwerksbetriebe in Südwestfalen spürbar. Eine Umfrage der Handwerkskammer Südwestfalen zeigt steigende Kosten, längere Lieferzeiten und wachsende Unsicherheit in den Unternehmen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 11.06.2026 05:25
Umfrage zeigt breite Belastung in Südwestfalen
Die geopolitische Lage im Nahen Osten hat auch Folgen für das Handwerk auch bei uns im Märkischen Kreis. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammer Südwestfalen unter 352 Betrieben der Region. Mehr als die Hälfte der Unternehmen, genau 53 Prozent, berichtet von deutlichen Auswirkungen. Weitere 30 Prozent sprechen von leichten Folgen. Damit spüren mehr als 80 Prozent der befragten Betriebe die Krise im Arbeitsalltag. Die Handwerkskammer macht deutlich, dass internationale Konflikte längst auch die regionale Wirtschaft erreichen.
Preise und Lieferzeiten werden zum Problem
Für viele Betriebe sind vor allem die steigenden Preise ein großes Problem. 74 Prozent der befragten Unternehmen berichten von deutlichen Preissteigerungen bei Energie, Kraftstoffen, Materialien oder Vorprodukten. Weitere 22 Prozent nehmen leichte Preissteigerungen wahr. Dazu kommen längere Lieferzeiten, von denen 54 Prozent der Betriebe betroffen sind. Auf Baustellen und in Werkstätten fehlen nach Angaben der Kammer unter anderem Dämmstoffe, Kunststoffe, Kunststoffrohre sowie Metalle wie Aluminium, Stahl und Kupfer. Auch Baumaterialien wie Bitumen und Dachbaustoffe sind teils schwerer zu bekommen.
Handwerkskammer warnt vor unsicheren Kalkulationen
Die Handwerkskammer Südwestfalen warnt, dass viele Betriebe ihre Angebote kaum noch verlässlich kalkulieren können. Wenn sich Materialpreise und Liefertermine ständig ändern, wird die Planung für Unternehmen deutlich schwieriger. Gleichzeitig können viele Betriebe die gestiegenen Kosten nicht einfach an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. Nur 12 Prozent sagen, dass sie die Mehrkosten weitgehend weiterreichen können. 48 Prozent schaffen das nur teilweise, 39 Prozent kaum oder gar nicht. Das erhöht den wirtschaftlichen Druck auf viele Betriebe in der Region zusätzlich.
„Die Ergebnisse dieser Umfrage sind ein deutliches Warnsignal. Internationale Krisen sind für unsere Betriebe längst keine abstrakten Nachrichten mehr. Wer heute ein Angebot schreibt, weiß oft nicht, ob Materialpreise, Energiekosten oder Liefertermine morgen noch Bestand haben. Diese Unsicherheit bremst Investitionen, erschwert Planung und belastet die Betriebe erheblich.“ - Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen
Einige Gewerke besonders stark betroffen
Nach Angaben der Handwerkskammer stehen einige Gewerke besonders unter Druck. Dazu zählen unter anderem Elektrotechniker, Kraftfahrzeugtechniker, Maler und Lackierer sowie Tischler. Auch Installateure, Heizungsbauer und Straßenbauer berichten von steigenden Materialpreisen und einer zurückhaltenderen Nachfrage. Vor allem im Bau- und Ausbauhandwerk wächst damit die Unsicherheit bei Angeboten und laufenden Projekten. Die Handwerkskammer fordert deshalb verlässliche politische Rahmenbedingungen, damit die Betriebe besser planen können.