
MK: Metall- und Elektroindustrie blickt trotz Krise optimistischer
Knapp jedes zweite mittelständische Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in der Region bewertet seine Geschäftslage weiter als schlecht. Doch die neue MAV-Konjunkturumfrage zeigt: Die Skepsis lässt nach und erstmals steigen wieder die Investitionen.
Veröffentlicht: Freitag, 09.01.2026 09:21
Märkischer Kreis: Lichtblicke aber Wirtschaft am Boden
Die aktuelle Konjunkturumfrage des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV) für die Kreise Hagen, Ennepe-Ruhr und den Märkischen Kreis zeigt trotz besserer Stimmung erneut gemischte Signale. Rund 49 Prozent der befragten mittelständischen Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht - das sind aber 9 Prozent weniger als im Vorjahr. Deutlich verbessert hat sich der Ausblick: Nur noch jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) blickt skeptisch in die Zukunft. Im Vorjahr waren es noch 45 Prozent.
„Vielleicht haben wir den Boden inzwischen erreicht. [...] Dass es noch schlimmer kommt, erwarten offensichtlich weniger Betriebe." - Horst-Werner Maier-Hunke, MAV-Vorsitzender
Metall- und Elektroindustrie: Aufträge bleiben schwach
Die Zahlen zeigen aber auch, dass die Herausforderungen bestehen bleiben. Mit 55 Prozent bewerten ähnlich viele Unternehmen ihre Auftragslage ins Inland als schlecht wie im vergangenen Jahr (2024: 56%). Eine leichte Verbesserung gab es trotz einer verschärften Zollpolitik bei Aufträgen ins Ausland, in das rund jedes Dritte der befragten Unternehmen exportiert. Trotz der schwierigen Lage halten die meisten Betriebe an ihren Mitarbeitern fest: 66 Prozent wollen ihre Belegschaft unverändert lassen, 17 Prozent planen sogar Neueinstellungen. Diese Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr zeigt das Vertrauen der Unternehmer in ihre erfahrenen Fachkräfte.
„[Der] Trend zu einer gleichbleibenden Konjunktur ist deutlich größer geworden, was einfach zeigt, dass wir eine Seitwärtsbewegung haben" - Fabian Schmidt, stellvertretender MAV-Vorsitzender
Wirtschaft im MK: Investitionen steigen wieder leicht an
Ein positives Signal sendet auch der Bereich Investitionen: Die Ausgaben steigen wieder, sowohl im Aus- als auch im Inland. 23 Prozent der Teilnehmer setzen antizyklisch auf eine Erhöhung der Investitionen in Deutschland. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Unternehmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen wieder in die Zukunft investieren.
„Wenn ein Unternehmer wieder mehr investieren will, dann hat er eigentlich positive Perspektiven für die Zukunft im Kopf" - Horst-Werner Maier-Hunke zu den steigenden Investitionen.
Ausbildung bleibt Schwerpunkt
Auch bei der Ausbildung setzen die Unternehmen positive Zeichen: 81 Prozent der befragten Betriebe wollen ihre Ausbildungsplätze auf dem bisherigen Niveau halten, 10 Prozent planen sogar eine Erhöhung. Die knapp 100 befragten Unternehmen beschäftigen über 15.000 Mitarbeiter und bieten 635 Ausbildungsplätze. Der MAV selbst geht mit gutem Beispiel voran: Die verbandseigene Ausbildungsgesellschaft bildet fast 100 junge Menschen aus.
Deindustrialisierung trifft auch den Märkischen Kreis
Der stellvertretende MAV-Vorsitzende Schmidt sieht die besonderen Herausforderungen für den industriell geprägten Märkischen Kreis. Die Region kämpfe mit strukturellen Problemen, die andere Gebiete weniger treffen. Als Haupthemmnisse nennt er hohe Lohnnebenkosten, Energiekosten und übermäßige Bürokratie.
„Der Märkische Kreis von seinem wirtschaftlichen Aufbau ist sehr stark industriell geprägt. Wir merken eben, dass die Rahmenbedingungen aktuell, sei es Lohnnebenkosten, sei es Energiekosten, sei es Bürokratie, vor allen Dingen Hemmnisse für die Industrie sind im internationalen Vergleich. Und wir hier ganz klar einen Trend der Deindustrialisierung haben" - Fabian Schmidt zur regionalen Situation.
Trotz der ersten positiven Signale fordert der MAV tiefgreifende Reformen statt Symbolpolitik. Besonders die Sozialsysteme stehen im Fokus der Kritik. Der Verband sieht hier den größten Handlungsbedarf für die Politik.
„Hierbei geht es um das Thema Rente an sich, die Finanzierung von Rente, das Thema Lebensarbeitszeit und daneben ganz klar auch das Thema der Gesundheitspolitik" - Fabian Schmidt zu nötigen Reformen.
Ein besonderes Augenmerk legt Schmidt auf das Thema Fachkräftemangel. Auch wenn dieses durch die aktuelle wirtschaftliche Notlage etwas in den Hintergrund gerückt sei, bleibe es eine zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre. MAV-Vorsitzender Maier-Hunke sieht die Gesellschaft durch eine Vielzahl von Themen überfordert. Trotzdem bewertet er die Gesamtlage nicht so dramatisch, wie oft dargestellt.
Haben wir den Tiefpunkt erreicht? MAV sieht erste Hoffnung
Ein Lichtblick für die regionale Wirtschaft ist die Wiedereröffnung der A45-Brücke. Auch wenn diese nicht der Hauptgrund für die leichte konjunkturelle Verbesserung ist, sorgt sie für spürbare Entlastung bei Unternehmen und Bürgern. Die im November 2025 durchgeführte Umfrage macht deutlich: Die ersten Weichen für eine Verbesserung sind gestellt, aber bis diese wirken, braucht es Zeit und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Der MAV betont, dass nun die Politik gefragt sei, schnell die nötigen Reformen anzugehen, damit Investitionen wieder angestoßen und wirtschaftliche Potenziale entfaltet werden können.
„Die Märkische Region hat beträchtliches wirtschaftliches Potenzial. Es liegt an Politik, Bildung und Unternehmen, dieses Potenzial weiterzuentwickeln" - MAV-Vorstand zur regionalen Wirtschaftsaussicht.

