
Luchs verlässt den Märkischen Kreis
Ein junger Luchs-Kuder ist nach seinem monatelangen Aufenthalt im Märkischen Kreis zurück in seine hessische Heimat gewandert. Die Naturschutzbehörde wertet die Zeit des seltenen Wildtieres in unserer Region als großen Erfolg für den Artenschutz.
Veröffentlicht: Mittwoch, 08.04.2026 12:42
Spurensuche im Märkischen Kreis
Der Luchs hat in den vergangenen Monaten für viel Aufmerksamkeit im Märkischen Kreis gesorgt. Vor allem im Raum Plettenberg und Meinerzhagen wurden der Unteren Naturschutzbehörde immer wieder sichere Hinweise gemeldet. Zwischen November 2025 und Januar 2026 gab es verschiedene Sichtungen und sogar Videoaufnahmen des Tieres. Auch Überreste von Beutetieren wurden gefunden, die eindeutig auf die Jagdweise eines Luchses hinwiesen. Diese gesammelten Daten zeigen, dass das Tier über längere Zeit im Kreisgebiet unterwegs war.
„Die zeitliche Dichte und Qualität der Hinweise sind fachlich ausgesprochen interessant. Sie sprechen dafür, dass der Märkische Kreis nicht nur durchquert, sondern als Lebensraum aktiv genutzt worden ist.“ - Untere Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises.
Identifizierung und Rückkehr nach Hessen
Die Reise des jungen Männchens konnte nun durch eine Fotofalle in Hessen aufgeklärt werden. Am 23. Februar wurde das Tier dort fotografiert und anhand seiner ganz individuellen Fellzeichnung eindeutig identifiziert. Jeder Luchs besitzt ein einzigartiges Muster aus Flecken, das wie ein Fingerabdruck funktioniert. Dass diese Identifizierung so schnell gelang, liegt an der engen Zusammenarbeit beim Luchs-Monitoring zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen. Experten konnten so den Weg des Tieres über die Landesgrenze hinweg genau nachvollziehen.
Warum der Luchs das Sauerland verlassen hat
Obwohl der Märkische Kreis eine sehr gute Lebensqualität für Wildtiere bietet, zog es den Kuder zurück in seine alte Heimat. Der Hauptgrund dafür war die erfolglose Suche nach einer Partnerin zur Fortpflanzung. Da Luchse in Nordrhein-Westfalen bisher noch sehr selten vorkommen, sind die Chancen auf eine Paarung im Sauerland aktuell gering. In Gebieten mit einer höheren Dichte an Artgenossen, wie in Teilen Hessens, ist die Wahrscheinlichkeit für den Aufbau eines eigenen Reviers deutlich größer. Der Aufenthalt im Märkischen Kreis verlief dabei völlig ohne Probleme oder negative Vorfälle mit Menschen oder Nutztieren.
„Der Luchs hat gezeigt, dass unsere Wälder durchaus geeignete Lebensräume bieten, auch wenn diese durch Verkehrswege zerschnitten sind, so dass viele Luchse im Straßenverkehr sterben“ - Experten der Naturschutzbehörde
Zukunftsprojekt Luchs NRW
Die Beobachtungen fließen nun in das landesweite Projekt „Luchs NRW“ ein, das sich aktuell in der Planung befindet. Ziel dieses Vorhabens ist es, durch gezielte Maßnahmen eine Verbindung zwischen verschiedenen Luchs-Populationen herzustellen. Der Märkische Kreis arbeitet hierbei eng mit den Nachbarkreisen Olpe, Siegen-Wittgenstein und dem Hochsauerlandkreis zusammen. Um die Wanderbewegungen der Tiere noch besser zu verstehen, sind die Behörden weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Wer ein Tier sieht oder Spuren entdeckt, sollte dies zeitnah an die Untere Naturschutzbehörde oder das LANUK melden.