
Kita-Finanzierung: Kirchenkreis schlägt Alarm
Der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg warnt vor einer schwierigen Kita-Finanzierung in der Region. Betroffen sind 17 evangelische Kitas mit mehr als 1.000 Betreuungsplätzen in und um Lüdenscheid.
Veröffentlicht: Dienstag, 26.05.2026 05:14
Kirchliche Kitas in Lüdenscheid unter Druck
Die Finanzierung der evangelischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg gerät nach Angaben des Trägers immer stärker unter Druck. Bei einem Treffen im Evangelischen Familienzentrum „Schatzkiste am Annaberg" in Lüdenscheid haben Vertreter des Kirchenkreises den heimischen Landtagsabgeordneten Dr. Gregor Kaiser über die Lage informiert. Nach Angaben des Kirchenkreises geht es im Trägerverbund um 17 Einrichtungen mit 280 Beschäftigten und mehr als 1.000 Betreuungsplätzen. Hinzu kommen weitere Kitas, die von Kirchengemeinden getragen werden. Der Kirchenkreis macht deutlich, dass die aktuelle Finanzierung für viele kirchliche Träger immer schwieriger wird.
Hoher Eigenanteil belastet die Träger
Als Grund nennt der Kirchenkreis vor allem sinkende Einnahmen aus der Kirchensteuer und den gesetzlich vorgegebenen Eigenanteil bei der Kita-Finanzierung. Dieser Trägeranteil liegt laut Pressemitteilung bei 10,3 Prozent. Ohne freiwillige Zuschüsse der Kommunen müsste der Kirchenkreis nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Euro pro Jahr aus Kirchensteuermitteln in die Kita-Arbeit stecken. Mit den kommunalen Hilfen liegt der jährliche Zuschuss demnach noch bei rund 1,2 Millionen Euro. Gleichzeitig würden rückläufige Kinderzahlen die Mittel aus dem Kinderbildungsgesetz zusätzlich schmälern.
„Der finanzielle Kuchen wird nicht größer, ganz im Gegenteil. Die Existenz unserer Kitas ist gefährdet“ - Dirk Cechelius, Geschäftsführer des Trägerverbunds der Evangelischen Kindertageseinrichtungen.
Sorge um Standorte und Gebäude
Nach Angaben des Kirchenkreises verschärft auch die Gebäudefrage die Lage. Eigene Immobilien könnten nicht auf den Trägeranteil angerechnet werden, obwohl für Sanierungen oft hohe Summen nötig seien. Der Kirchenkreis verweist darauf, dass Gemeinden und Kirchenkreis in den vergangenen Jahren bereits Kirchen schließen mussten, weil diese finanziell nicht mehr tragbar gewesen seien. Vor diesem Hintergrund werde der Spielraum für weitere Belastungen kleiner. Der Kirchenkreis betont zugleich, dass er die Kita-Arbeit in der Fläche weiter leisten wolle.
„Uns ist die Kita-Arbeit sehr wichtig, und wir wollen sie in der Fläche weiterhin gut leisten. Doch die finanzielle Gesamtentwicklung ist für Kirchenkreis und Gemeinden sehr schwierig geworden. Ohne Änderungen stehen wir irgendwann vor der Wahl: Kita-Arbeit fortführen oder eine Kirche offenhalten. Beides wird dann nicht mehr möglich sein“ - Pfr. Dr. Christof Grote, Superintendent.
Politik soll das Thema nach Düsseldorf tragen
Bei dem Austausch in Lüdenscheid sagte Dr. Gregor Kaiser zu, das Thema im Landtag noch einmal anzusprechen. Nach Darstellung des Kirchenkreises machte er deutlich, dass ein Rückzug kirchlicher Träger auch für Städte und Kreise Folgen hätte. Wenn Kommunen Betreuungsangebote vollständig übernehmen müssten, würde das deutlich teurer werden. Der Kirchenkreis fordert deshalb politische Lösungen bei der Reform des Kinderbildungsgesetzes. Aus Sicht der Beteiligten braucht es Veränderungen, damit kirchliche Kitas auch künftig wirtschaftlich betrieben werden können.