
Dialog zu Motorradlärm in Kierspe
Der Märkische Kreis und die Bürgerinitiative K2 / K3 in Kierspe haben erneut über die Lage an den beliebten Motorradstrecken gesprochen. Nach Angaben des Kreises verlief der Austausch sachlich und konstruktiv. Anwohner wünschen sich vor allem an sonnigen Wochenenden und Feiertagen eine spürbare Entlastung. Dann sind auf den Straßen besonders viele Motorradfahrer unterwegs. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, welche Maßnahmen gegen Motorradlärm auf der K2 und K3 überhaupt möglich sind.
Warum Tempolimits und Sperrungen nicht möglich sind
Nach Angaben der Kreisverwaltung sind verkehrsrechtliche Maßnahmen wie Tempolimits oder Streckensperrungen nur unter sehr engen gesetzlichen Voraussetzungen erlaubt. Grundlage ist Paragraf 45 Absatz 9 der Straßenverkehrsordnung. Demnach müssen Beschränkungen zwingend erforderlich sein. Dafür braucht es eine nachweisbare Gefahrenlage, die deutlich über das allgemeine Risiko hinausgeht. Laut Kreis liegt eine solche besondere Gefahrenlage auf der K2 und K3 derzeit nicht vor.
Aus Sicht der Behörde reicht dabei nicht das subjektive Empfinden von Anwohnern aus. Entscheidend ist eine rechtlich festgelegte Bewertung. Eine solche Gefahrenlage könnte sich etwa aus einer Häufung schwerer Unfälle oder aus einer erheblichen objektiv messbaren Lärmbelastung ergeben. Beides ist nach Darstellung des Märkischen Kreises auf den betroffenen Strecken bislang nicht nachweisbar.
Messungen an der K2 in Kierspe
Für die Bewertung wurden zwischen dem 1. Mai und dem 30. Juni 2025 Verkehrsmessungen an der Ortseinfahrt Kierspe an der Kreisstraße 2 durchgeführt. Dabei wurden im Schnitt 1.319 Fahrzeuge pro Tag gezählt, darunter 162 Motorräder. An Sonntagen lag der Durchschnitt bei 1.023 Fahrzeugen mit 212 Motorrädern. Der höchste Wert wurde an einem Feiertag gemessen: 1.397 Fahrzeuge, darunter 608 Motorräder.
Auf Basis dieser Zahlen wurde zunächst eine Lärmberechnung nach der aktuell maßgeblichen Vorschrift erstellt. Laut Kreis reichten die Werte nicht aus, um eine rechtlich relevante Gefahrenlage festzustellen. Zusätzlich ließ die Kreisverwaltung freiwillig eine weitere Berechnung nach einer neueren Methode durchführen, bei der Motorradgeräusche ausdrücklich mit einbezogen werden. Auch diese Auswertung führte nach Angaben des Kreises nicht zu einem anderen Ergebnis. Selbst eine zusätzliche Hilfsberechnung nur für Wochenenden und Feiertage blieb deutlich unter den maßgeblichen Richtwerten. Der höchste erreichte Wert lag bei 61 Dezibel, die einschlägigen Richtwerte liegen laut Pressemitteilung zwischen 70 und 75 Dezibel.
So geht es an K2 und K3 weiter
Ganz abgeschlossen ist das Thema damit aber nicht. Noch in diesem Sommer soll es weitere Verkehrsmessungen an der Kreisstraße 3 in Kierspe geben. Die Polizei hat außerdem angekündigt, ihre Kontrollen fortzusetzen. Die Stadt Kierspe will ihre Informationsarbeit weiterführen und kurzfristig ein sogenanntes Smiley-Gerät in der Pulverstraße aufstellen. Solche Anzeigen sollen Verkehrsteilnehmer auf ihre Geschwindigkeit aufmerksam machen und für mehr Rücksicht sensibilisieren.
Auch die Bürgerinitiative will sich weiter engagieren. Genannt werden unter anderem Öffentlichkeitsarbeit, Aktionen und die Beteiligung an der kommunalen Lärmaktionsplanung der Stadt Kierspe. Außerdem wollen Bürgerinitiative, Stadt Kierspe und Märkischer Kreis den Austausch fortsetzen. Damit bleibt die Diskussion über Motorradlärm auf den Strecken K2 und K3 in Kierspe auch in den kommenden Monaten aktuell.