
Krankenkasse sieht Handlungsbedarf
Im Märkischen Kreis werden die Jugenduntersuchungen nach Angaben der AOK NordWest weiterhin zu wenig genutzt. Demnach nahmen 21,8 Prozent der AOK-versicherten Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren diese Vorsorgeangebote in Anspruch. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 20,9 Prozent. Trotz des leichten Anstiegs bleibt die Nutzung damit auf einem niedrigen Niveau. Die Gesundheits-Checks sind für AOK-versicherte Jugendliche kostenfrei. Die Krankenkasse sieht hier weiter deutlichen Handlungsbedarf.
„Das Niveau der Inanspruchnahme ist einfach zu gering. Dabei leisten Jugenduntersuchungen einen wichtigen Beitrag zur körperlichen und seelischen Gesundheit und sind genauso wichtig wie die Untersuchungen für Babys und Kleinkinder. Wir appellieren daher dringend an alle Eltern, ihre Kinder zu diesen wichtigen Vorsorgeuntersuchungen zu motivieren.“ - Dirk Schneider, Serviceregionsleiter der AOK.
Welche Untersuchungen für Jugendliche angeboten werden
Nach den bekannten U-Untersuchungen im Kindesalter folgen die Jugenduntersuchungen J1 und J2. Die J1 richtet sich an Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren und gehört zum regulären Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Nach Angaben der AOK NordWest nutzten im Jahr 2025 immerhin 35,1 Prozent der Jugendlichen diese Untersuchung. Die J2 ist für 16- bis 17-Jährige gedacht und wird von der Kasse als zusätzliche Leistung für ihre Versicherten übernommen. Diese Untersuchung nahmen laut Auswertung nur 7,8 Prozent wahr. Die AOK NordWest weist nach eigenen Angaben persönlich und über digitale Kanäle auf die Vorsorgeangebote hin. Ziel ist es, Jugendliche und Eltern frühzeitig auf die Termine aufmerksam zu machen. Nach Einschätzung der Krankenkasse endet die gesundheitliche Entwicklung nicht mit dem Kindesalter. Deshalb sollen auch in der Jugend mögliche Probleme möglichst früh erkannt werden. Die Untersuchungen bauen auf den bekannten Vorsorgeangeboten aus der Kindheit auf.
Darum sind die Jugenduntersuchungen wichtig
Bei der J1 werden unter anderem Größe, Gewicht, Impfstatus, Blut und Harn überprüft. Ärztinnen und Ärzte achten außerdem auf die Entwicklung in der Pubertät, auf Organe, Skelettsystem und Sinnesfunktionen. Nach Angaben der AOK können dabei auch Fehlhaltungen durch Wachstumsschübe sowie chronische Krankheiten früh erkannt werden. Auch Hautprobleme, Essstörungen wie Magersucht oder Übergewicht sowie mögliche Allergien spielen bei der Untersuchung eine Rolle. Allergien können nach Angaben der Krankenkasse später auch für die Berufswahl wichtig sein.
Die J2 geht noch einen Schritt weiter. Hier liegt ein zusätzlicher Fokus unter anderem auf Pubertäts- und Sexualitätsstörungen, Haltungsstörungen und dem Risiko für Diabetes. Zu beiden Terminen sollen die elektronische Gesundheitskarte und der Impfpass mitgebracht werden. Neben den medizinischen Untersuchungen gibt es auch Raum für Gespräche über Gesundheit, Lebensweise sowie soziale und seelische Themen. Die Gespräche mit der Ärztin oder dem Arzt sind vertraulich.
Vertrauliches Gespräch auch ohne Eltern
Die Jugenduntersuchungen bieten Jugendlichen die Möglichkeit, selbstständig mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen. Nach Angaben der AOK ist das oft eine neue Erfahrung, weil Eltern bei früheren Kinderarztbesuchen meist dabei waren. Zu den Jugenduntersuchungen können Jugendliche auch allein gehen. Das kann helfen, Fragen offen anzusprechen, die im Beisein der Eltern möglicherweise nicht gestellt würden. Gerade in der Pubertät kann das persönliche und vertrauliche Gespräch eine wichtige Rolle spielen.