
Hohe Strompreise: Wirtschaft fordert politischen Kurswechsel
Das Stimmungsbild der Unternehmen zur Energiewende hat sich weiter verschlechtert - in NRW stärker als im Bundesschnitt. Das zeigt das aktuelle Energiewende-Barometer der Deutschen Industrie- und Handelskammer, an dem sich mehr als 3.000 Unternehmen beteiligt haben.
Veröffentlicht: Mittwoch, 29.07.2026 04:29
Barometerwert auf Tiefstand - NRW-Unternehmen besonders pessimistisch
Die Einschätzung der Unternehmen zur Energiewende hat sich im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert. Das geht aus dem aktuellen Energiewende-Barometer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor. Bundesweit ist der Barometerwert von minus 8,3 auf minus 11,5 gesunken. In Nordrhein-Westfalen fiel das Ergebnis noch deutlicher aus: Hier sank der Wert von minus 14,8 im Vorjahr auf minus 18,1. An der Umfrage haben sich mehr als 3.000 Unternehmen beteiligt, davon 627 aus NRW. Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) sieht in den Zahlen ein deutliches Signal an die Politik.
Investitionen zurückgestellt - Industrie in Südwestfalen unter Druck
Fast jedes zweite Unternehmen sieht im aktuellen Verlauf der Energiewende negative Auswirkungen auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit. In der Industrie sind es sogar 67,5 Prozent. Nur 18,3 Prozent der befragten Betriebe verbinden mit der Energiewende eher Vorteile. Jedes dritte Unternehmen stellt Investitionen in Kernprozesse zurück, jedes vierte investiert weniger in den Klimaschutz. Bei jedem zweiten Unternehmen ist der Strompreis im laufenden Jahr weiter gestiegen. Die Zahlen zeigen: Die wirtschaftliche Belastung durch die Energiewende ist in der Region spürbar.
Wirtschaft fordert Kurswechsel - Strompreissenkung als zentrale Forderung
77,8 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer fordern eine Senkung des Strompreises. Fast 80 Prozent erwarten von der Bundesregierung eine klare Strategie zum Ausbau der Energieinfrastruktur sowie mehr staatliche Investitionen. Die SIHK fordert gemeinsam mit IHK NRW einen konsequenten Kurswechsel in der Politik. Ziel sei eine Energiepolitik, die Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zusammenbringt - ohne Arbeitsplätze und Wohlstand in Nordrhein-Westfalen weiter zu gefährden.
„Die Unternehmen stehen zum Klimaschutz. Aber die Energiewende muss so gestaltet werden, dass Betriebe wettbewerbsfähig bleiben, investieren können und Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen erhalten bleiben. NRW ist Industrieland. Wenn Energie dauerhaft teurer bleibt als bei unseren Wettbewerbern, wird Transformation zum Standortproblem." - Ralf Stoffels, Präsident IHK NRW und SIHK zu Hagen