
A45 bei Schalksmühle: Zweite Brückenhälfte Sterbecke gesprengt
Die zweite Hälfte der A45-Talbrücke Sterbecke bei Schalksmühle ist am Sonntag (25.01) erfolgreich gesprengt worden. Die 6.000 Tonnen schwere Brücke stürzte kontrolliert in ein vorbereitetes Fallbett.
Veröffentlicht: Montag, 26.01.2026 05:58
Erfolgreiche Sprengung der A45-Talbrücke Sterbecke bei Schalksmühle
Am Sonntag (25.01) ist die zweite Hälfte der A45-Talbrücke Sterbecke bei Schalksmühle planmäßig gesprengt worden. Die rund 6.000 Tonnen schwere Brücke stürzte um 11 Uhr kontrolliert in ein vorbereitetes Fallbett. Sprengmeister Michael Schneider leitete die spektakuläre Aktion mit den Worten "Drei, zwo, eins – Zündung!" ein. Die Brückenpfeiler knickten wie geplant ein und der 45 Meter hohe und 265 Meter lange Brückenüberbau legte sich ins Fallbett. Damit ist nach der erfolgreichen ersten Sprengung auch der zweite Teil der maroden Brücke aus dem Jahr 1967 Geschichte.
"Mit dieser Sprengung gehen wir einen weiteren Schritt voran beim Brückenneubau an der A45. Die vorzeitige Fertigstellung der Teilbauwerke an der Sterbecke wie auch an der Talbrücke Rahmede zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind." - Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH.
Vollsperrung der A45 zwischen Lüdenscheid und Hagen-Süd
Für die Sprengung war die Autobahn zwischen Lüdenscheid und Hagen-Süd von 10 bis 16 Uhr komplett gesperrt. Die Vollsperrung wurde auch für weitere Arbeiten an der Strecke genutzt. Unter anderem führten die Bauarbeiter Markierungsarbeiten sowie Fahrbahnsanierungen durch. Nach der Sprengung machten sich unverzüglich Brückenprüfer ans Werk, um die nur wenige Zentimeter neben dem gesprengten Bauwerk stehende neue Brückenhälfte zu überprüfen. Das Ergebnis: Die bereits fertiggestellte neue Brückenhälfte blieb unbeschädigt und kann weiterhin sicher befahren werden.
Hintergrund: Zahlen und Fakten rund um die Sprengung
- Vor der Sprengung des östlichen Teilbauwerks, wurde die Brücke geleichtert. Das bedeutet, dass so viel Material wie möglich abgetragen wird. Asphalt wurde abgefräst, die so genannten Kappen – die seitlich betonierten Ränder der Brücke – abgestemmt.
- Etwa 6000 Tonnen Brückenüberbau werden zu Boden gebracht.
- Unter der Brücke wurde aus 6500 Kubikmeter Boden ein Fallbett angelegt, um den Fall der Brücke zu dämpfen. Prinzip der Sprengung: „Kollaps-Sprengung“: Der Überbau stürzt kontrolliert nach unten ab.
- 96 Bohrlöcher für den Sprengstoff, 13,4 Kilogramm Sprengstoff, 222 Meter Sprengschnur, die Sprengstoffmenge pro Bohrloch variiert von 124 Gramm bis max. 155 Gramm.
- Die Pfeiler wurden mit so genannten Sprengmäulern versehen. Dort, wo aus dem Beton das Sprengmaul herausgestemmt wurde, knickt der Pfeiler ein.
Brückenfakten Bestandsbauwerk
- Die Talbrücke wurde 1967 erbaut. Pro Fahrtrichtung gab es einen Überbau mit je 15,6 Meter Breite.
- Länge: 265 Meter, sechs Stützen pro Fahrtrichtung mit bis zu 45 Meter Höhe.
- Die Brücke wurde mit einer Verkehrsprognose geplant, die von 25.000 Fahrzeuge in 24 Stunden im Jahr 1980 ausging. Inzwischen ist die Belastung auf 64.000 Fahrzeuge in 24 Stunden angestiegen, davon 13.000 Lkw.
- Für die Neubauphase wurde die Brückenhälfte in Fahrtrichtung Dortmund verstärkt. So konnte sie während der ersten Bauphase den gesamten Verkehr aufnehmen.
Neubau
- Die Gesamtbreite der neuen Talbrücke Sterbecke beträgt 45,135 Meter. Für jede Richtung entsteht ein separates Teilbauwerk, das bereits für den sechsspurigen Ausbau der A45 in diesem Bereich vorbereitet wird. Die Überbauten sind durch einen nur 10 Zentimeter breiten Spalt voneinander getrennt.
- Als Ausgleich für die Fällung der Gehölze im Baufeld wurden Ersatzflächen auf den Steilhängen der Lenne in Werdohl angelegt.
- Für Fledermäuse wurden zehn Kästen und weitere zehn Kobel für Haselmäuse aufgehängt. Weitere Kästen wurden im Umfeld der Brücke platziert.
- Die neuen Pfeiler - nur noch vier pro Fahrtrichtung - werden massiv gebaut. Sie stehen auf flach gegründeten Fundamenten.
- Der Überbau wird als zweizelliger Hohlkasten in Spannbeton gebaut. Für Wartungsarbeiten sind die Hohlkästen begehbar.
Aufwendige Vorbereitungen für Sprengung in Schalksmühle
Zwei Wochen vor dem Spreng-Termin waren die Experten um Sprengmeister Michael Schneider im Dauereinsatz an der Brücke. 96 Bohrlöcher wurden mit insgesamt 13,4 Kilogramm Sprengstoff gefüllt und mit 222 Metern Sprengschnur verbunden. Die Brückenstützen erhielten sogenannte Sprengmäuler - gezielte Schwächungen vergleichbar mit dem Vorgehen beim Baumfällen, um die Fallrichtung zu bestimmen. Vor der Sprengung wurde die Brücke "geleichtert": Asphalt wurde abgefräst, Geländer und Schutzplanken entfernt. Unter der Brücke wurde aus 6.500 Kubikmeter Boden ein Fallbett angelegt, um den Aufprall zu dämpfen. In den kommenden Wochen wird nun das Baufeld für den Neubau der zweiten Brückenhälfte vorbereitet. Das Abbruchmaterial wird getrennt und wiederverwertet. Beton wird beispielsweise zu Schotter verarbeitet und auf anderen Baustellen genutzt. Die erste Hälfte des Neubaus war bereits im Oktober - rund fünf Monate früher als geplant - für den Verkehr freigegeben worden. Die neue Talbrücke Sterbecke wird mit einer Gesamtbreite von 45,135 Metern deutlich breiter als die alte Brücke und bereits für den sechsspurigen Ausbau der A45 vorbereitet sein.